2026-01-04
KEYWORDS (like a SNU)
[[> Grundmuster]]
[[> Academia|> theory]]

Theorien sind ja ganz sinnvoll, weil sie Hinweise darauf geben können, wie sich die Zukunft entwickeln kann. Und die Betonung liegt hier auf „kann“, denn sie kann, muss es aber nicht. Die Praxis legt schließlich fest, was tatsächlich passiert, was sich also von einer möglichen Zukunft in die Realität verwandelt. Der Rest (aller Rest!) ist dann erwiesenermaßen Blödsinn. Wir Menschen tun uns halt meistens schwer, vorher Sinn und Unsinn zu unterscheiden.
Theoretiker sind ein eitles Volk, das gilt im Großen wie im Kleinen, man kann es sogar in sich selbst feststellen, wenn man genau hinschaut. Der innere Affe, so nenne ich ihn, der koordiniert, wie das Herz schlägt, wie der Blutdruck einzustellen ist und wertet gleichzeitig noch die Signale aus dem kleinen Zeh aus. Diese Superintelligenz schätzt man gemeinhin weniger (daher wohl auch der Begriff Affe), als man den Verstand schätzt – das Ding, das meiner Beobachtung nach ständig mit irgendwelchen Theorien daherkommt, die sich dann aber nur in den allerseltensten Fällen, also quasi nie, in Realität verwandeln. Ausnahmen werden oft Generationen lang gefeiert, manchmal erst nach dem Ableben des Entdeckers.
Theoretiker sind in den seltensten Fällen auch Entdecker, sie kriegen buchstäblich ihren Arsch nicht hinter dem Tisch hervor; das lässt sich sehr gut bei Menschen über 35 beobachten. Die denken und reden und probieren nicht aus. Dafür maßregeln sie die Jungen, auf dass diese irgendwann genauso stumpf im Land der Theorie ankommen und keinen Ärger machen und die schönen, über Jahre und Jahrzehnte mit viel Liebe gebastelten Gedankengebäude zum Einsturz bringen. Zu viel Wind könnte den Theoriegebäuden gefährlich werden. Und diese Idioten von Theoretikern fordern – vielleicht aus Eitelkeit, leider nicht selten erfolgreich – den Wind zu verbieten.
Warum das eine saudumme Idee ist? Weil wir so haufenweise instabile Gedankengebäude am Leben erhalten, die keinem Wind standhalten können. Wenn dann der Wind kommt – und er wird kommen! Man kann den Wind nicht auf Dauer verbieten. Wenn dann früher oder später der Wind kommt, steht nicht nur der Kaiser nackt da, sondern wir alle.

