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Im Internet ein Video von einem dieser Bauern, wie sie neuerdings auf YouTube populär sind. Ich habe mir eine Menge von diesen Videos angeschaut, denn ich fand es schon als Kind faszinierend zu verstehen was ein Bauer tut und macht.
Die Bauern auf YouTube berichten darüber, wie es ist Bauer zu sein, sie erklären, was ein Bauer tun muss. Für mich ist es interessant, Leuten zuzuhören, die praktisch denken und nicht theoretisch wie meinesgleichen(*). Der Bauer sitzt im Fahrerhaus seines Traktors und schimpft, was das Zeug hält. Aber er beschwert sich nicht nur, er erklärt die Beschwerden, leitet her, was genau zu den Beschwerden führte und wie man sie beseitigen könnte. Alles was er sagt ist nachvollziehbar und verständlich. Es sind logische Schlüsse – eins-und-eins-sind-zwei-logisch.
In dem Video beschreibt der Bauer u.a., wie “so gebildete Leute” dafür argumentieren, dass wir Deutschen Stärke gegenüber Russland zeigen müssten. Der Bauer hat im Militär gedient, er beschreibt seine Erfahrungen während wochenlangen Manövern in Eiseskälte. Auch wenn nur simuliert, er hat praktisch erfahren, was Krieg bedeutet. Die “so gebildeten Leute”, die für den vermeintlichen Schutz der Freiheit in den Krieg ziehen wollen, bzw andere Leute in den Krieg ziehen wollen, wohlwissend, dass sie selbst nicht zum Kriegsdienst gezogen werden, denn sie haben seinerzeit “natürlich” den Kriegsdienst verweigert. Und ich weiß, der Bauer hat 100% recht, weil ich selbst genau so einer bin. Alle meine Freunde und Bekannten, zumindest seit ich 1993 nach Berlin gezogen bin, sind so. Meine Freunde und Bekannten in New York, Sidney, Kairo oder Neu Delhi. Meine Kaste ist international – drauf war ich immer besonders stolz. Der Bauer meint die linken Intellektuellen, die von Berlin, LA, London, oder von wo auch immer, die Welt regieren. Und damit meint er nicht Politiker, sondern die ganze politische Klasse. Die Künstler, die Intellektuellen bis hin zu den die TAZ lesenden Taxifahrern, die 35 Semester Soziologie und Politologie an der FU studiert haben (you know what I mean). Ich war einer dieser Herde von Theoretiker, geprägt von dem was mir beigebracht wurde und das war spätestens seit der Uni links angehaucht.
Ich neige auch zum Praktischen, ich renoviere Wohnungen, ich investierte in Immobilien. Das ist bei meinesgleichen eher ungewöhnlich, man macht sich nicht gerne die Finger schmutzig.
Der Bauer beschreibt wie die “so gebildeten Leute” über ihn herfallen, wenn er ihnen auf Facebook entgegnet, dass sie, wenn sie die Freiheit verteidigen zu müssen glauben, selbst hingehen sollen. Die “so gebildeten Leute” fallen auf unflätige Weise über ihn her, er liest Beispiele vor. Sie können oder wollen seine Logik nicht nachvollziehen. Vermutlich ahnen sie, dass, wenn sie hinsehen, ihr ganzes Weltbild ins wanken geraten könnte. Es ist echt scary. Ich habe es erlebt. Es ist intensiv, es verändert eigentlich alles. Ist es zu empfehlen? Meiner Ansicht nach, ganz eindeutig –ja– keine Frage!
(*) wie ich bis vor gar nicht langer Zeit. Ich bringe mir gerade das praktische Denken bei, die vom Handeln des Menschen ausgeht und nicht von dem, was moralisch am wertvollsten ist. Aber das ist eine lange Geschichte.

