Blödsinn

Bogenwerfer

Was das wichtigste auf der Welt sei, werde ich gefragt, und ich muss nicht lange überlegen. Das wichtigste auf der Welt ist offensichtlich Blödsinn.

Ich liebe Sinn, ich bin gewissermassen immerzu auf der Suche nach Sinn und immer wenn ich etwas zu greifen bekomme, was Sinn sein könnte, schaue ich es mir genau an. Welchen Gedanken auch immer ich da geschnappt habe, ich halte ihn mir vor die Augen und studiere ihn eingehend. In den allermeisten Fällen muss ich aber erkennen, „verdammt, das ist ja schon wieder Blödsinn!“ Und dann schmeisse ich den Gedanken weg, irgendwohin, zu dem ganzen anderen Blödsinn. Dem Blödsinn, aus dem offenbar die ganze Welt besteht.

Ab und zu finde ich auch mal Sinn und den Sinn schmeiße ich natürlich nicht weg. Den Sinn packe ich jeden einzelnen in ein Marmeladeglas, mit einem hübschen Etikett, auf dem der Name steht, den ich mir für den Sinn ausgedacht habe und die Marmeladegläser stelle ich fein säuberlich in meinen Marmeladengläserschrank. Ab und zu schraube ich eines von den Gläsern auf und erfreue mich an dem bezaubernden Geruch, der ein starkes Wohlgefühl in mir auslöst. Manchmal merke ich beim Aufschrauben allerdings, dass ein alter Sinn schlecht geworden ist dann werfe ich ihn auch weg.

Und so verbringe ich meine Tage irgendeinen Sinn zu suchen, den ich in Marmeladegläser packen kann. Ich habe schon viele Marmeladegläser, vielleicht ein paar hundert. Sie stehen alle im Schrank, ich wüsste gar nicht, ob ich sie alle aufzählen könnte.

Aber wie gesagt, Sinn ist selten, das meiste ist Blödsinn. Die Welt ist aus Blödsinn gemacht und nur ab und zu wächst ein wenig Sinn darauf. Aber wichtiger ist offensichtlich Blödsinn. Blödsinn ist der Stoff aus dem die Welt ist. Sinn ist nur die Ausnahme. Nett irgendwie, aber eigentlich auch zu nichts richtig zu gebrauchen.

Opinion makes blind

When I say, “I don’t have an opinion on anything,” people usually laugh and say, “But you have an opinion on everything.” Most regular readers of my blog seem to share this view, at least that’s what I infer from what those who do comment say.

It would be more correct to say: “More and more often I succeed in not having an opinion”. Because I can only have no opinion about something if I focus. It is impossible to be concentrated on everything. So it’s only selected things that I don’t have an opinion on, for example the things I write about in this blog. I don’t write (at least not anymore) about things I mean. Instead, I try to describe the things I see. Even if I myself disagree, even if they don’t fit my own thinking. Because I no longer give a damn about my opinion.

I have no opinion on everything that is important to me and on which I have concentrated since I learned not to have an opinion.

On everything else I still have an opinion and it is on most things.

Having an opinion seems to be the default mode of the human being, and that to the extent that the human being develops language. Language is opinion. This would also explain why opinion can be expressed so well in language, while no opinion is so difficult to express in words, and why no opinion expressed in words leads so reliably to misunderstandings.

Since I started to look at things increasingly without opinion, I see more and more. Because I not only see what I mean, but I also see what I don’t mean. And I see what I don’t mean as real as what I do mean. So I can no longer deny what I don’t want to see, nor do I want to. Because the world is much bigger and truer when I perceive not only what I mean, but also what I don’t mean, don’t think, don’t want to perceive.

And every time I succeed in seeing what I don’t mean just as well as what I do mean, opinion becomes more and more irrelevant, uninteresting, undesirable. Because opinion collapses the world to the section of one’s own opinion.

No opinion allows to see much more.

Meinung macht blind

Wenn ich sage: „Ich habe zu nichts eine Meinung“, dann lachen die Leute meist und sagen: „Aber du hast doch zu allem eine Meinung.“ Die meisten regelmäßigen Leser meines Blogs scheinen diese Ansicht zu teilen, zumindest schliesse ich das aus den Äusserungen jener, die sich äußern.

Richtiger wäre zu sagen: „Es gelingt mir immer öfter keine Meinung zu haben“. Denn ich kann nur keine Meinung zu etwas haben, wenn ich mich konzentriere. Es ist unmöglich, sich auf alles zu konzentrieren. Es sind also nur ausgewählte Dinge, zu denen ich keine Meinung habe, zum Beispiel die Dinge, über die ich auf diesem Blog schreibe. Ich schreibe nicht (zumindest nicht mehr) über Dinge, die ich meine. Ich bemühe mich statt dessen die Dinge zu beschreiben, die ich sehe. Auch wenn ich selbst anderer Meinung bin, auch wenn sie mir selbst nicht ins Denken passen. Denn ich gebe nichts mehr auf meine Meinung.

Zu allem, was mir wichtig ist und worauf ich mich, seit ich gelernt habe keine Meinung mehr zu haben, konzentriert habe, habe ich keine Meinung.

Zu allem anderen habe ich noch ein Meinung und es ist das meiste.

Eine Meinung zu haben scheint der Default-Modus des Menschen zu sein und zwar in dem Masse in dem der Mensch Sprache entwickelt. Sprache ist Meinung. Das würde auch erklären, warum Meinung sich so gut in Sprache ausdrücken lässt, keine Meinung hingegen so schwer in Worten zu fassen ist und die in Worten ausgedrückte keine Meinung so zuverlässig zu Missverständnissen führt.

Seit ich angefangen habe, Dinge zunehmend ohne Meinung zu betrachten, sehe ich immer mehr. Denn ich sehe nicht nur das, was ich meine, sondern ich sehe auch das, was ich nicht meine. Und ich sehe das, was ich nicht meine so real, wie das was ich meine. Ich kann das, was ich nicht sehen will  also gar nicht mehr verleugnen und ich will es auch nicht. Denn die Welt ist viel größer und wahrer wenn ich nicht nur das wahrnehme, was ich meine, sondern auch das, was ich nicht meine, nicht denke, nicht wahrhaben will.

Und mit jedem mal indem es mir gelingt, das, was ich nicht meine genauso gut zu sehen, wie das, was ich meine, wird Meinung immer mehr irrelevant, uninteressant, unerstrebenswert. Denn Meinung lässt die Welt auf den Ausschnitt der eigenen Meinung kollabieren.

Keine Meinung lässt viel mehr sehen.

Die Zukunft wird interessant

Fire

Klimawandel ist ein tolles Problem, denn der Klimawandel treibt die Menschheit an weiter in eine Richtung zu gehen, in der sie schon immer unterwegs ist.

Der Menschheit wird in Zukunft ein mannigfaches an Energie zur Verfügung stehen, als heute und als jemals zuvor. Der Mensch hat als einziges Tier gelernt, systematisch Energie jenseits der eigenen Muskelkraft zu erschliessen. Das hat ihn befähigt Dinge zu tun, Dinge zu denken, Bewusstsein zu erlangen, wie kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten.

Die allermeiste Energie, die auf der Erde zu Verfügung steht, kommt von der Sonne. Ohne die Sonne wäre die Erde ein kalter Planet. Fossile Energie ist nichts anderes als geronnene Sonnenenergie, in Jahrmillionen entstanden. Es ist relativ einfach, diese geronnene Energie aufzusammeln und wieder freizusetzen. Dem Mensch ist dieser Trick mit der Nutzbarmachung des Feuers gelungen. Es ist ein vielfaches schwieriger Energie direkt von der Sonne aufzufangen und nutzbar zu machen, denn man muss die Sonnenenergie umleiten, vom Tag in die Nacht, von einem Ort zum anderen. Das erfordert Techniken, die erst entdeckt und erschlossen werden konnten mit Werkzeugen, die herzustellen und zu betreiben gewaltige Mengen an Energie benötigen. Um die Energie der Sonne  ernten und speichern zu können benötigt man nicht nur die Energie, die es braucht um Solar-, Wind- oder Wasserkraftanlagen, Verteil- und Speichersysteme zu bauen, man benötigt noch ein millionenfaches mehr an Energie, um überhaupt erst in der Lage zu sein, diese Technologien erdenken zu können. In diesem Sinne könnte man sagen, dass in jeder einzelnen Windkraftanlage auch die Energie steckt, die zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte freigesetzt wurde.

Wir haben die fossilen Ressourcen nicht verschwendet, wir haben sie eingesetzt, um auf einen neuen Level zu kommen. Wir sind nun in der Lage unabhängig von der Energie zu werden, die geronnen auf der Erde herumliegt.

Ungeronnene Energie von der Sonne und Energie durch die Spaltung des Atoms hat der Menschheit Türen geöffnet, zu noch viel mehr Energie.

Und wozu das ganze?
Dazu habe ich eine Meinung: Es ist die Energie, die die Menschheit braucht um der Erkenntnis näher zu kommen.

Es ist nur der letzte Satz, den ich gerne Diskutieren möchte.

The future will be interesting

Fire

Climate change is a wonderful problem, because climate change is pushing humanity with great force further in a direction it has always been going.

Humankind will have a manifold more energy at its disposal than ever before. Humans are the only animals that have systematically learned to tap energy beyond their own muscle power. This has enabled the human being to do things, to think things, to attain consciousness, like no other living being on this planet.

Most of the energy available on earth comes from the sun. Without the sun, the earth would be an ice-cold planet. Fossil energy is nothing more than coagulated solar energy, created over millions of years. It is relatively easy to collect this coagulated energy and release it again. Humans have managed this trick by harnessing fire. It is much more difficult to collect energy directly from the sun and make it usable, because you have to redirect the solar energy from day to night, from one place to another. This requires technology that could only be discovered and developed with tools that required enormous amounts of energy to produce and operate. To be able to harvest and store the energy of the sun, you not only need the energy it takes to build solar, wind or hydroelectric plants, distribution and storage systems, you need a million times more energy to be able to conceive these technologies in the first place. In this sense, one could say that in every single wind turbine there is embodied energy that has been released at all times in human history.

We have not wasted fossil resources, we have used them to get to a new level. We are now able to become independent of the energy that is lying around clotted on the earth.

Non-coagulated energy from the sun and energy from the splitting of the atom has opened doors for humanity to much more energy.

And what is the point of all this?
I have an opinion on that: it is the energy that humanity needs to get closer to understanding.

It is only the last sentence that I would like to discuss.

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