2601-05 Rezepte der Vergangenheit

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Die Rezepte der Vergangenheit funktionieren nicht mehr, und das wird gerade immer offensichtlicher. Das ist genau der Grund, warum die Dinge vorne und hinten nicht mehr nicht zusammenpassen, sobald man sie sich durchdenkt. Deswegen reagieren ja auch so viele Leute damit, die Dinge nicht zu durchdenken, sondern einfach Slogans abzuspulen, die sie in der Vergangenheit gelernt haben. Es sind immer wieder die gleichen Sätze. Es ist eine Strategie, die dem Zweck dient, nicht realisieren zu müssen, falsch zu liegen mit den Rezepten, die man anwendet, um aus der Welt Sinn zu machen. Wenn die Menschen die Dinge durchdenken würden, wären sie gezwungen, die Grundfesten ihres Denkens in Frage zu stellen. Und davor haben die meisten Menschen Angst.

Was meine ich mit „in der Tiefe durchdenken“? Also, wenn man etwas in der Tiefe durchdenkt, dann zieht man alle Möglichkeiten in Betracht, derer man habhaft werden kann. Man zieht so viele Möglichkeiten in Betracht, wie man nur kann. Man würde auf keinen Fall auf die Idee kommen, Perspektiven von vornherein auszuschließen. Das ist es, was alle Leute, die ich bis vor Kurzem überhaupt kannte, zum Beispiel beim Thema “AfD” oder “Trump” gemacht haben und die meisten davon machen es noch immer. Es ist beeindruckend zu sehen, welche Energie Leute darauf verwenden, die Augen vor der Realität zu verschließen. Ich habe Wutausbrüche erlebt, wo sich mir nahestehende Personen buchstäblich auf dem Boden gewälzt haben, schreiend und mich wild beschimpfend, weil sie nicht täglich für 10 Minuten auf X gehen wollten. Auf X zu gehen beruhigt mit der Zeit, weil die Welt, wie man sie im medialen Spiegel wahrnimmt, immer mehr dem entspricht, was man mit eigenen Augen und mit eigenem Verstand wahrnehmen kann. Wenn auch noch das Umfeld beginnt, die Welt so, also „richtig herum“, wahrzunehmen, entsteht wieder dieselbe gemeinsame Gewissheit, die ich früher immer suchte, aber auf einem höheren Niveau. Denn es ist nicht nur die gemeinsame Gewissheit, es ist auch das Wissen darum, dass diese Gewissheit die Realität adäquater wiedergibt.

2601-04 Das Internet war der Weg

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Die Zeitung hat sich nicht als die Quelle der Wahrheit herausgestellt, für die man sie anfangs gehalten hatte. Bei Büchern, Radio und Fernsehen war es ebenso am Anfang, als das Medium noch jung war und man sich noch von dem Schein des Neuen blenden ließ. Dasselbe gilt für Radio, Fernsehen, Film, für soziale Medien, für YouTube, für X. Der Schein des Neuen ist verführerisch, aber es ist trügerisch, in es eine in beliebiger Form bessere Realität hineinzusehen als die eigene. Just a reminder – die eigene ist die, die man vor Augen hat, die man mit dem eigenen Kopf begreift (so wie man mit den Händen einen Ball anfasst).

Und doch hat uns jedes Medium weitergebracht, ein immer komplexeres Verständnis der Welt zu entwickeln, untereinander zu teilen und von verschiedenen Stellen daran zu arbeiten. Es öffnet sich gerade eine weitere Tür in die Zukunft, eine Zukunft, die den meisten noch unbegreifbar ist. Eine Zukunft, die wir womöglich mit unseren alten, in prädigitaler Zeit geprägten Hirnen nie verstehen werden. Die Tür zu dieser Zukunft öffnet sich gerade. Die Tür ist eine Flügeltür, der eine Flügel ist eine AI, der andere Bitcoin. Das Internet war der Weg dahin.

2601-04 Sinn und Unsinn von Theorien

2026-01-04

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Theorien sind ja ganz sinnvoll, weil sie Hinweise darauf geben können, wie sich die Zukunft entwickeln kann. Und die Betonung liegt hier auf „kann“, denn sie kann, muss es aber nicht. Die Praxis legt schließlich fest, was tatsächlich passiert, was sich also von einer möglichen Zukunft in die Realität verwandelt. Der Rest (aller Rest!) ist dann erwiesenermaßen Blödsinn. Wir Menschen tun uns halt meistens schwer, vorher Sinn und Unsinn zu unterscheiden.

Theoretiker sind ein eitles Volk, das gilt im Großen wie im Kleinen, man kann es sogar in sich selbst feststellen, wenn man genau hinschaut. Der innere Affe, so nenne ich ihn, der koordiniert, wie das Herz schlägt, wie der Blutdruck einzustellen ist und wertet gleichzeitig noch die Signale aus dem kleinen Zeh aus. Diese Superintelligenz schätzt man gemeinhin weniger (daher wohl auch der Begriff Affe), als man den Verstand schätzt – das Ding, das meiner Beobachtung nach ständig mit irgendwelchen Theorien daherkommt, die sich dann aber nur in den allerseltensten Fällen, also quasi nie, in Realität verwandeln. Ausnahmen werden oft Generationen lang gefeiert, manchmal erst nach dem Ableben des Entdeckers.

Theoretiker sind in den seltensten Fällen auch Entdecker, sie kriegen buchstäblich ihren Arsch nicht hinter dem Tisch hervor; das lässt sich sehr gut bei Menschen über 35 beobachten. Die denken und reden und probieren nicht aus. Dafür maßregeln sie die Jungen, auf dass diese irgendwann genauso stumpf im Land der Theorie ankommen und keinen Ärger machen und die schönen, über Jahre und Jahrzehnte mit viel Liebe gebastelten Gedankengebäude zum Einsturz bringen. Zu viel Wind könnte den Theoriegebäuden gefährlich werden. Und diese Idioten von Theoretikern fordern – vielleicht aus Eitelkeit, leider nicht selten erfolgreich – den Wind zu verbieten.

Warum das eine saudumme Idee ist? Weil wir so haufenweise instabile Gedankengebäude am Leben erhalten, die keinem Wind standhalten können. Wenn dann der Wind kommt – und er wird kommen! Man kann den Wind nicht auf Dauer verbieten. Wenn dann früher oder später der Wind kommt, steht nicht nur der Kaiser nackt da, sondern wir alle.

2512-28 Oh Bauer

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Im Internet ein Video von einem dieser Bauern, wie sie neuerdings auf YouTube populär sind. Ich habe mir eine Menge von diesen Videos angeschaut, denn ich fand es schon als Kind faszinierend zu verstehen was ein Bauer tut und macht.

Die Bauern auf YouTube berichten darüber, wie es ist Bauer zu sein, sie erklären, was ein Bauer tun muss. Für mich ist es interessant, Leuten zuzuhören, die praktisch denken und nicht theoretisch wie meinesgleichen(*). Der Bauer sitzt im Fahrerhaus seines Traktors und schimpft, was das Zeug hält. Aber er beschwert sich nicht nur, er erklärt die Beschwerden, leitet her, was genau zu den Beschwerden führte und wie man sie beseitigen könnte. Alles was er sagt ist nachvollziehbar und verständlich. Es sind logische Schlüsse – eins-und-eins-sind-zwei-logisch.

In dem Video beschreibt der Bauer u.a., wie “so gebildete Leute” dafür argumentieren, dass wir Deutschen Stärke gegenüber Russland zeigen müssten. Der Bauer hat im Militär gedient, er beschreibt seine Erfahrungen während wochenlangen Manövern in Eiseskälte. Auch wenn nur simuliert, er hat praktisch erfahren, was Krieg bedeutet. Die “so gebildeten Leute”, die für den vermeintlichen Schutz der Freiheit in den Krieg ziehen wollen, bzw andere Leute in den Krieg ziehen wollen, wohlwissend, dass sie selbst nicht zum Kriegsdienst gezogen werden, denn sie haben seinerzeit “natürlich” den Kriegsdienst verweigert. Und ich weiß, der Bauer hat 100% recht, weil ich selbst genau so einer bin. Alle meine Freunde und Bekannten, zumindest seit ich 1993 nach Berlin gezogen bin, sind so. Meine Freunde und Bekannten in New York, Sidney, Kairo oder Neu Delhi. Meine Kaste ist international – drauf war ich immer besonders stolz. Der Bauer meint die linken Intellektuellen, die von Berlin, LA, London, oder von wo auch immer, die Welt regieren. Und damit meint er nicht Politiker, sondern die ganze politische Klasse. Die Künstler, die Intellektuellen bis hin zu den die TAZ lesenden Taxifahrern, die 35 Semester Soziologie und Politologie an der FU studiert haben (you know what I mean). Ich war einer dieser Herde von Theoretiker, geprägt von dem was mir beigebracht wurde und das war spätestens seit der Uni links angehaucht.

Ich neige auch zum Praktischen, ich renoviere Wohnungen, ich investierte in Immobilien. Das ist bei meinesgleichen eher ungewöhnlich, man macht sich nicht gerne die Finger schmutzig.

Der Bauer beschreibt wie die “so gebildeten Leute” über ihn herfallen, wenn er ihnen auf Facebook entgegnet, dass sie, wenn sie die Freiheit verteidigen zu müssen glauben, selbst hingehen sollen. Die “so gebildeten Leute” fallen auf unflätige Weise über ihn her, er liest Beispiele vor. Sie können oder wollen seine Logik nicht nachvollziehen. Vermutlich ahnen sie, dass, wenn sie hinsehen, ihr ganzes Weltbild ins wanken geraten könnte. Es ist echt scary. Ich habe es erlebt. Es ist intensiv, es verändert eigentlich alles. Ist es zu empfehlen? Meiner Ansicht nach, ganz eindeutig –ja– keine Frage!


(*) wie ich bis vor gar nicht langer Zeit. Ich bringe mir gerade das praktische Denken bei, die vom Handeln des Menschen ausgeht und nicht von dem, was moralisch am wertvollsten ist. Aber das ist eine lange Geschichte.

2512-28 War Games

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Es ist schon ein paar Jahre her, da hatten wir in der Nachrichten-Redaktion eine Katastrophenübung. Simuliert wurde ein Anschlag von Terroristen oder so. Ich kann mich nur noch ungefähr an die Story erinnern. Jedenfalls saßen wir da, wo wir sonst saßen, bereiteten Nachrichtensendungen vor, die dann im Studio produziert wurden, aber nicht gesendet. Das tatsächliche Programm wurde statt dessen in einer abgespeckten Version in unserem kleinen Studio produziert und von einer zweiten Redaktion, die räumlich getrennt war, vorbereitet. Es war darüber hinaus streng verboten, irgendwas nach draussen zu geben, um niemanden in Panik zu versetzen. Wir berichteten von etwas, was es nicht gab, wir übten eine Breaking-News-Situation, in der die Sendung monothematisch wird. Es gab mehrere von diesen Kriegsspielen. Jeder Mitarbeiter der Redaktion sollte diese Simulation einmal durchlaufen, aber es gab ein paar, die tauschen ihren Dienst und so ergatterte ich eine zweite Ride in der Geisterbahn. Ich wollte es unbedingt noch einmal erleben, weil ich es so irre fand. In einem Nachrichtensender, berichtet man über die Realität und genau das hatte ich viele Jahre in 8 1/2 Stunden-Schichten getan. Für dieses Experiment schlüpfen wir in eine Simulation und erlebten einen Tag, den niemand anderes erlebte. Wir lebten in einer fiktionalen Parallelwelt.

So wie die Zuschauer. Aber das wurde mir erst Jahre später klar.

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