2601-04 Sinn und Unsinn von Theorien

2026-01-04

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Theorien sind ja ganz sinnvoll, weil sie Hinweise darauf geben können, wie sich die Zukunft entwickeln kann. Und die Betonung liegt hier auf „kann“, denn sie kann, muss es aber nicht. Die Praxis legt schließlich fest, was tatsächlich passiert, was sich also von einer möglichen Zukunft in die Realität verwandelt. Der Rest (aller Rest!) ist dann erwiesenermaßen Blödsinn. Wir Menschen tun uns halt meistens schwer, vorher Sinn und Unsinn zu unterscheiden.

Theoretiker sind ein eitles Volk, das gilt im Großen wie im Kleinen, man kann es sogar in sich selbst feststellen, wenn man genau hinschaut. Der innere Affe, so nenne ich ihn, der koordiniert, wie das Herz schlägt, wie der Blutdruck einzustellen ist und wertet gleichzeitig noch die Signale aus dem kleinen Zeh aus. Diese Superintelligenz schätzt man gemeinhin weniger (daher wohl auch der Begriff Affe), als man den Verstand schätzt – das Ding, das meiner Beobachtung nach ständig mit irgendwelchen Theorien daherkommt, die sich dann aber nur in den allerseltensten Fällen, also quasi nie, in Realität verwandeln. Ausnahmen werden oft Generationen lang gefeiert, manchmal erst nach dem Ableben des Entdeckers.

Theoretiker sind in den seltensten Fällen auch Entdecker, sie kriegen buchstäblich ihren Arsch nicht hinter dem Tisch hervor; das lässt sich sehr gut bei Menschen über 35 beobachten. Die denken und reden und probieren nicht aus. Dafür maßregeln sie die Jungen, auf dass diese irgendwann genauso stumpf im Land der Theorie ankommen und keinen Ärger machen und die schönen, über Jahre und Jahrzehnte mit viel Liebe gebastelten Gedankengebäude zum Einsturz bringen. Zu viel Wind könnte den Theoriegebäuden gefährlich werden. Und diese Idioten von Theoretikern fordern – vielleicht aus Eitelkeit, leider nicht selten erfolgreich – den Wind zu verbieten.

Warum das eine saudumme Idee ist? Weil wir so haufenweise instabile Gedankengebäude am Leben erhalten, die keinem Wind standhalten können. Wenn dann der Wind kommt – und er wird kommen! Man kann den Wind nicht auf Dauer verbieten. Wenn dann früher oder später der Wind kommt, steht nicht nur der Kaiser nackt da, sondern wir alle.

2512-28 Oh Bauer

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Im Internet ein Video von einem dieser Bauern, wie sie neuerdings auf YouTube populär sind. Ich habe mir eine Menge von diesen Videos angeschaut, denn ich fand es schon als Kind faszinierend zu verstehen was ein Bauer tut und macht.

Die Bauern auf YouTube berichten darüber, wie es ist Bauer zu sein, sie erklären, was ein Bauer tun muss. Für mich ist es interessant, Leuten zuzuhören, die praktisch denken und nicht theoretisch wie meinesgleichen(*). Der Bauer sitzt im Fahrerhaus seines Traktors und schimpft, was das Zeug hält. Aber er beschwert sich nicht nur, er erklärt die Beschwerden, leitet her, was genau zu den Beschwerden führte und wie man sie beseitigen könnte. Alles was er sagt ist nachvollziehbar und verständlich. Es sind logische Schlüsse – eins-und-eins-sind-zwei-logisch.

In dem Video beschreibt der Bauer u.a., wie “so gebildete Leute” dafür argumentieren, dass wir Deutschen Stärke gegenüber Russland zeigen müssten. Der Bauer hat im Militär gedient, er beschreibt seine Erfahrungen während wochenlangen Manövern in Eiseskälte. Auch wenn nur simuliert, er hat praktisch erfahren, was Krieg bedeutet. Die “so gebildeten Leute”, die für den vermeintlichen Schutz der Freiheit in den Krieg ziehen wollen, bzw andere Leute in den Krieg ziehen wollen, wohlwissend, dass sie selbst nicht zum Kriegsdienst gezogen werden, denn sie haben seinerzeit “natürlich” den Kriegsdienst verweigert. Und ich weiß, der Bauer hat 100% recht, weil ich selbst genau so einer bin. Alle meine Freunde und Bekannten, zumindest seit ich 1993 nach Berlin gezogen bin, sind so. Meine Freunde und Bekannten in New York, Sidney, Kairo oder Neu Delhi. Meine Kaste ist international – drauf war ich immer besonders stolz. Der Bauer meint die linken Intellektuellen, die von Berlin, LA, London, oder von wo auch immer, die Welt regieren. Und damit meint er nicht Politiker, sondern die ganze politische Klasse. Die Künstler, die Intellektuellen bis hin zu den die TAZ lesenden Taxifahrern, die 35 Semester Soziologie und Politologie an der FU studiert haben (you know what I mean). Ich war einer dieser Herde von Theoretiker, geprägt von dem was mir beigebracht wurde und das war spätestens seit der Uni links angehaucht.

Ich neige auch zum Praktischen, ich renoviere Wohnungen, ich investierte in Immobilien. Das ist bei meinesgleichen eher ungewöhnlich, man macht sich nicht gerne die Finger schmutzig.

Der Bauer beschreibt wie die “so gebildeten Leute” über ihn herfallen, wenn er ihnen auf Facebook entgegnet, dass sie, wenn sie die Freiheit verteidigen zu müssen glauben, selbst hingehen sollen. Die “so gebildeten Leute” fallen auf unflätige Weise über ihn her, er liest Beispiele vor. Sie können oder wollen seine Logik nicht nachvollziehen. Vermutlich ahnen sie, dass, wenn sie hinsehen, ihr ganzes Weltbild ins wanken geraten könnte. Es ist echt scary. Ich habe es erlebt. Es ist intensiv, es verändert eigentlich alles. Ist es zu empfehlen? Meiner Ansicht nach, ganz eindeutig –ja– keine Frage!


(*) wie ich bis vor gar nicht langer Zeit. Ich bringe mir gerade das praktische Denken bei, die vom Handeln des Menschen ausgeht und nicht von dem, was moralisch am wertvollsten ist. Aber das ist eine lange Geschichte.

2512-28 War Games

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Es ist schon ein paar Jahre her, da hatten wir in der Nachrichten-Redaktion eine Katastrophenübung. Simuliert wurde ein Anschlag von Terroristen oder so. Ich kann mich nur noch ungefähr an die Story erinnern. Jedenfalls saßen wir da, wo wir sonst saßen, bereiteten Nachrichtensendungen vor, die dann im Studio produziert wurden, aber nicht gesendet. Das tatsächliche Programm wurde statt dessen in einer abgespeckten Version in unserem kleinen Studio produziert und von einer zweiten Redaktion, die räumlich getrennt war, vorbereitet. Es war darüber hinaus streng verboten, irgendwas nach draussen zu geben, um niemanden in Panik zu versetzen. Wir berichteten von etwas, was es nicht gab, wir übten eine Breaking-News-Situation, in der die Sendung monothematisch wird. Es gab mehrere von diesen Kriegsspielen. Jeder Mitarbeiter der Redaktion sollte diese Simulation einmal durchlaufen, aber es gab ein paar, die tauschen ihren Dienst und so ergatterte ich eine zweite Ride in der Geisterbahn. Ich wollte es unbedingt noch einmal erleben, weil ich es so irre fand. In einem Nachrichtensender, berichtet man über die Realität und genau das hatte ich viele Jahre in 8 1/2 Stunden-Schichten getan. Für dieses Experiment schlüpfen wir in eine Simulation und erlebten einen Tag, den niemand anderes erlebte. Wir lebten in einer fiktionalen Parallelwelt.

So wie die Zuschauer. Aber das wurde mir erst Jahre später klar.

2512-23 Mimik

2025-12-23

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Mimik lernt man. Von den Eltern, der Familie, den Freunden, dem Umfeld, von Film und Fernsehen. Die Mimik ändert sich über die Zeit. Man kann es in Fotos erkennen, in Filmaufnahmen, in Texten.

Mimik ist hochgradig lokal. Fahren sie nach Finnland, fahren sie nach Brasilien, fahren sie in die USA, nach Singapur, Russland oder China. Sie werden den Unterschied sehen.

Mimik ist überall auch von Mimik in Film und Fernsehen geprägt.

Nirgendwo so sehr, wie in den USA. Das mag daran liegen, dass die Mimik der Jugend ganz stark vor allem von der Mimik der Eltern und (wir nennen es mal) Hollywood geprägt wurde und das schon seit mehreren Generationen.

Meine Eltern wurden nicht von Hollywood geprägt. Wenn ich in die USA reise sehe ich: Amerika ist dem Rest der Welt um mindestens eine Generation voraus.

Es gibt kluge Menschen, die sagen, dass Mimik Gefühle beeinflusst, so wie Gefühle Mimik beeinflussen. Was bedeutet das für unsere Gefühle? In welche Richtung entwickeln sie sich?

Gefühle finden mit Zeit immer dramatischere Ausdrucksformen.

Das lässt sich gut beobachten, so erklärt es zum Beispiel, warum wir die Amerikaner als so dramatisch wahrnehmen.

The Power of Free Thought

THOUGHTS MIGHT LOOK SCARY AT FIRST

Unleashing the Mind

Korsakowian thinking—allowing ideas to roam without the shackles of preconceived notions—sparks innovation and reshapes perspectives. It’s the mental equivalent of wild horses galloping freely, unbound by the reins of convention. This untamed approach to thinking fosters connections between real-world observations, leading to insights that challenge and expand our understanding.

Breaking Free from Constraints

Traditional systems like academia often prioritize structure over creativity, urging us to control thoughts to fit established narratives. But controlling thoughts leads to stagnation, like a carriage stuck on a predetermined path. Free thought rejects this, embracing the chaos of unfiltered ideas. By letting go of the need to align with familiar frameworks, we open ourselves to seeing the world anew—whether it’s a tree that suddenly appears magical in the focus of awareness or a societal trend spotted years before it emerges.

The Spark of Innovation

Sparkling ideas, those rare gems that transform humanity—like the wheel or the internet—often and maybe always arise from free thought. No one thought of it before but now it is easy enogh to copy. Sparkling ideas don’t just solve problems; they redefine how we live, impacting millions and enduring through time. However, they’re buried in a sea of noise. Platforms like X amplify both signal and noise, but korsakowian thinkers can filter the chaos, spotting patterns and connections others miss. This ability to see clearly, unclouded by conventional wisdom, accelerates learning and discovery.

Learning from Reality

Books archive what at some point was considered valuable knowledge, but reality offers infinite knowledge, one just has to explore and look. Korsakowian thinking draws from life’s raw data—conversations, observations, fleeting moments—reconnecting these dots in novel ways. Unlike academic study, which I felt like a worm digging through a pile of old data, Korsakowian thinking (that I am now trying to learn) feels like a rocket, propelling toward insights at breakneck speed. Personal journeys, like abandoning academia for real-world exploration, show that true learning happens when we engage directly with life’s messiness.

The Courage to Think Differently

Korsakowian thinking isn’t always welcomed. It can confuse or frustrate those who prefer predictable ideas. Critics may call it erratic or irresponsible, but embracing wild thoughts requires courage. It’s not about pleasing others; it’s about following what excites the mind. This pursuit, though challenging, is deeply rewarding, offering a sense of clarity and purpose that rigid thinking can’t match.

An Invitation to Think Freely

Korsakowian thinking is a call to action. It invites us to question, connect, and explore without fear of judgment. Some, like the author of these reflections, have foreseen trends—digital design, the internet’s potential—years before others, simply by trusting their untamed ideas. You’re invited to join this journey. Let your thoughts run wild, see where they lead, and share what you find. If this feels too chaotic, that’s okay—step back. But if it sparks something in you, dive in. Follow me, contact me, whatever you like.

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