2512-28 Oh Bauer

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Im Internet ein Video von einem dieser Bauern, wie sie neuerdings auf YouTube populär sind. Ich habe mir eine Menge von diesen Videos angeschaut, denn ich fand es schon als Kind faszinierend zu verstehen was ein Bauer tut und macht.

Die Bauern auf YouTube berichten darüber, wie es ist Bauer zu sein, sie erklären, was ein Bauer tun muss. Für mich ist es interessant, Leuten zuzuhören, die praktisch denken und nicht theoretisch wie meinesgleichen(*). Der Bauer sitzt im Fahrerhaus seines Traktors und schimpft, was das Zeug hält. Aber er beschwert sich nicht nur, er erklärt die Beschwerden, leitet her, was genau zu den Beschwerden führte und wie man sie beseitigen könnte. Alles was er sagt ist nachvollziehbar und verständlich. Es sind logische Schlüsse – eins-und-eins-sind-zwei-logisch.

In dem Video beschreibt der Bauer u.a., wie “so gebildete Leute” dafür argumentieren, dass wir Deutschen Stärke gegenüber Russland zeigen müssten. Der Bauer hat im Militär gedient, er beschreibt seine Erfahrungen während wochenlangen Manövern in Eiseskälte. Auch wenn nur simuliert, er hat praktisch erfahren, was Krieg bedeutet. Die “so gebildeten Leute”, die für den vermeintlichen Schutz der Freiheit in den Krieg ziehen wollen, bzw andere Leute in den Krieg ziehen wollen, wohlwissend, dass sie selbst nicht zum Kriegsdienst gezogen werden, denn sie haben seinerzeit “natürlich” den Kriegsdienst verweigert. Und ich weiß, der Bauer hat 100% recht, weil ich selbst genau so einer bin. Alle meine Freunde und Bekannten, zumindest seit ich 1993 nach Berlin gezogen bin, sind so. Meine Freunde und Bekannten in New York, Sidney, Kairo oder Neu Delhi. Meine Kaste ist international – drauf war ich immer besonders stolz. Der Bauer meint die linken Intellektuellen, die von Berlin, LA, London, oder von wo auch immer, die Welt regieren. Und damit meint er nicht Politiker, sondern die ganze politische Klasse. Die Künstler, die Intellektuellen bis hin zu den die TAZ lesenden Taxifahrern, die 35 Semester Soziologie und Politologie an der FU studiert haben (you know what I mean). Ich war einer dieser Herde von Theoretiker, geprägt von dem was mir beigebracht wurde und das war spätestens seit der Uni links angehaucht.

Ich neige auch zum Praktischen, ich renoviere Wohnungen, ich investierte in Immobilien. Das ist bei meinesgleichen eher ungewöhnlich, man macht sich nicht gerne die Finger schmutzig.

Der Bauer beschreibt wie die “so gebildeten Leute” über ihn herfallen, wenn er ihnen auf Facebook entgegnet, dass sie, wenn sie die Freiheit verteidigen zu müssen glauben, selbst hingehen sollen. Die “so gebildeten Leute” fallen auf unflätige Weise über ihn her, er liest Beispiele vor. Sie können oder wollen seine Logik nicht nachvollziehen. Vermutlich ahnen sie, dass, wenn sie hinsehen, ihr ganzes Weltbild ins wanken geraten könnte. Es ist echt scary. Ich habe es erlebt. Es ist intensiv, es verändert eigentlich alles. Ist es zu empfehlen? Meiner Ansicht nach, ganz eindeutig –ja– keine Frage!


(*) wie ich bis vor gar nicht langer Zeit. Ich bringe mir gerade das praktische Denken bei, die vom Handeln des Menschen ausgeht und nicht von dem, was moralisch am wertvollsten ist. Aber das ist eine lange Geschichte.

2512-28 War Games

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Es ist schon ein paar Jahre her, da hatten wir in der Nachrichten-Redaktion eine Katastrophenübung. Simuliert wurde ein Anschlag von Terroristen oder so. Ich kann mich nur noch ungefähr an die Story erinnern. Jedenfalls saßen wir da, wo wir sonst saßen, bereiteten Nachrichtensendungen vor, die dann im Studio produziert wurden, aber nicht gesendet. Das tatsächliche Programm wurde statt dessen in einer abgespeckten Version in unserem kleinen Studio produziert und von einer zweiten Redaktion, die räumlich getrennt war, vorbereitet. Es war darüber hinaus streng verboten, irgendwas nach draussen zu geben, um niemanden in Panik zu versetzen. Wir berichteten von etwas, was es nicht gab, wir übten eine Breaking-News-Situation, in der die Sendung monothematisch wird. Es gab mehrere von diesen Kriegsspielen. Jeder Mitarbeiter der Redaktion sollte diese Simulation einmal durchlaufen, aber es gab ein paar, die tauschen ihren Dienst und so ergatterte ich eine zweite Ride in der Geisterbahn. Ich wollte es unbedingt noch einmal erleben, weil ich es so irre fand. In einem Nachrichtensender, berichtet man über die Realität und genau das hatte ich viele Jahre in 8 1/2 Stunden-Schichten getan. Für dieses Experiment schlüpfen wir in eine Simulation und erlebten einen Tag, den niemand anderes erlebte. Wir lebten in einer fiktionalen Parallelwelt.

So wie die Zuschauer. Aber das wurde mir erst Jahre später klar.

2512-23 Mimik

2025-12-23

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Mimik lernt man. Von den Eltern, der Familie, den Freunden, dem Umfeld, von Film und Fernsehen. Die Mimik ändert sich über die Zeit. Man kann es in Fotos erkennen, in Filmaufnahmen, in Texten.

Mimik ist hochgradig lokal. Fahren sie nach Finnland, fahren sie nach Brasilien, fahren sie in die USA, nach Singapur, Russland oder China. Sie werden den Unterschied sehen.

Mimik ist überall auch von Mimik in Film und Fernsehen geprägt.

Nirgendwo so sehr, wie in den USA. Das mag daran liegen, dass die Mimik der Jugend ganz stark vor allem von der Mimik der Eltern und (wir nennen es mal) Hollywood geprägt wurde und das schon seit mehreren Generationen.

Meine Eltern wurden nicht von Hollywood geprägt. Wenn ich in die USA reise sehe ich: Amerika ist dem Rest der Welt um mindestens eine Generation voraus.

Es gibt kluge Menschen, die sagen, dass Mimik Gefühle beeinflusst, so wie Gefühle Mimik beeinflussen. Was bedeutet das für unsere Gefühle? In welche Richtung entwickeln sie sich?

Gefühle finden mit Zeit immer dramatischere Ausdrucksformen.

Das lässt sich gut beobachten, so erklärt es zum Beispiel, warum wir die Amerikaner als so dramatisch wahrnehmen.

We are snakes that reach into the heads of other snakes

We are snakes that reach into the heads of other snakes. We try to manipulate the other snakes so that they do what we want them to do and behave in the way we think is right. Some snakes may be interested in money, some in spreading a truth or demanding ethically correct behaviour. There are many different motivations for snakes to grab into each other’s heads.

Why do snakes do this? Maybe they exchange information – in some form or another. There are different ways of reaching into each other’s heads, the imaginary snakes in the picture above do it with their hands, we humans reach into each other’s heads by talking to each other (and there are other ways of communicating). This is exactly where something huge is currently happening. In the past – and the earlier the more – the direction of technical communication (imagine radio) was one-to-many, today it is primarily many-to-many (all over the world, simultaneously and simultaneously time-shifted (we communicate with our friends on Facebook, while dead thinkers put their thoughts into our heads via YouTube).

Man kann heutzutage Zeitung lesen, Radio hören, und eine WhatsUpNachricht schreiben. Gleichzeitig. Nicht, dass ich das könnte, aber ich habe es im Zug gesehen.

You can now read the newspaper, listen to the radio and write a WhatsUp message – all at the same time! (Not that I could, but I saw it on the train).

We first have to get used to this simultaneity of voices that are constantly reaching into our heads while we are reaching into the heads of others at the same time. So it’s no wonder that humanity seems so confused at the moment.

But once we get used to it, it will probably be quite cool.

Wir sind Schlangen, die anderen Schlangen in den Kopf greifen

Wir sind Schlangen, die anderen Schlangen in den Kopf greifen. Wir versuchen die anderen Schlangen so zu manipulieren, dass sie das machen und sich so verhalten, wie wir es für richtig halten. Manchen Schlangen mags ums Geld gehen, manchen darum, eine Wahrheit zu verbreiten oder eine ethisch richtige Handlungsweisen einzufordern. Es gibt die verschiedensten Motivationen, warum Schlangen einander in den Kopf greifen.

Warum machen Schlangen das? Vielleicht tauschen sie dadurch Informationen aus – in irgendeiner Form. Es gibt unterschiedliche Methoden sich gegenseitig in den Kopf zu greifen, die erdachten Schlangen auf dem Bild oben tun das mit Händen, wir Menschen greifen einander in den Kopf, indem wir miteinander sprechen (und es gibt noch andere Wege der Kommunikation). Genau da tut sich gerade etwas gewaltiges. Früher – und je früher desto mehr, war die Richtung der technischer Kommunikation (man stelle sich Radio vor), ein one-to-many, heute ist es primär ein many to many (all over the world, gleichzeitig und gleichzeitig zeitversetzt (wir kommunizieren mit unseren Freunden auf Facebook, während uns tote Denker ihre Gedanken via YouTube in den Kopf legen).

Man kann heutzutage Zeitung lesen, Radio hören, und eine WhatsUpNachricht schreiben. Gleichzeitig. Nicht, dass ich das könnte, aber ich habe es im Zug gesehen.

Man kann heutzutage Zeitung lesen, Radio hören und eine WhatsUpNachricht schreiben – gleichzeitig! (Nicht, dass ich es könnte, aber ich habe es im Zug gesehen.)

An diese “Gleichzeitigkeit der Stimmen”, die einem ständig in den Kopf greifen, während man im selben Moment anderen in den Kopf greift, daran müssen wir uns erst gewöhnen. Kein Wunder also, dass die Menschheit derzeit so verwirrt erscheint.

Aber wenn wir uns erstmal daran gewöhnt haben wird es wahrscheinlich ziemlich cool.

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